Bachs Weihnachtsoratorium mit der Gaechinger Cantorey. Am 01.12 2017. Einführung um 18.40/18.10


Jesus liegt in der Krippe. Und genau das ist das Problem. Denn Jesus war arm und der Barock stellt den Reichtum aus. Mich erinnert das etwas an polnische Weihnachtstraditionen. In Polen ist es üblich die kleine Krippe als einen riesigen Schloss darzustellen.

Und genau so arbeitet auch Bach. Er stellt den armen Jesus als großen König aus und schmückt mit seiner Musik den kargen Stall aus.

Hören wir uns nun den Beginn an.

Zuerst spielen die Pauken eine „Intrada“ – eine typische Ankündigung für einen König.

Achten Sie genau auf die Instrumentation: Erst Pauken, dann Flöten, dann Oboen etc. Der Klang wird allmählich aufgebaut.

So etwas nennt man einen Spaltklang. Die Romantiker haben das Gegenteil bevorzugt: den Mischklang. Der Spaltklang wirkt grell, aggressiv, er drückt die einzelnen Farben nackt hervor. Und diese Buntheit ist es, die Bach schätzt, weil sie für den Reichtum steht. Hören wir noch etwas weiter hinein, wie die Farben einander abwechseln. Die Melodie wird von drei Klangkörpern vorgestellt: Erst von den Flöten und Oboen, dann von den Trompeten und schließlich von den Streichern. Das Orchester mischt sich nicht, es blinkt und glitzert. Erst allmählich beruhigt sich der Klang.

Wir hören weiterhin, wie die Idee „Buntheit“ fortgeführt wird. Die erste Arie beginnt mit einem Rezitativ, das mit zwei Oboen d´amore auffallend gefärbt wird.

Bald darauf folgen drei Choräle (die Arien lasse ich mal weg):

Der erste Choral ist noch relativ schlicht gesetzt.

Der zweite Choral ist bereits geschmückter. Er wird von beiden Oboen umspielt und von einem Bassisten unterbrochen und kommentiert. Den Choral selbst singt nach einem Oboenvorspiel ein Sopran – manchmal solistisch, in manchen Aufführungen (so in diesem Klangbeispiel) kann man das auch mit Chor hören.

Hier nun der dritte festlichste Choral: Unterbrochen und von Blechbläsern auffallend kommentiert/ausgeschmückt.