Dariusz Szymanski ist Redakteur und Dozent im Festspielhaus Baden-Baden und hat nebenbei dieses Klassik-Lern-Programm entwickelt.

1970 in Polen geboren, lebt er seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland.

Vor seiner Einstellung beim Festspielhaus arbeitete er als Werbetexter bei Scholz & Friends und leitete freiberuflich Klassik-Seminare.


Und damit es etwas persönlicher wird, folgt nun eine kleine musikalische Biographie:

Erste Karriere-Schritte unternahm ich mit 12 an der Yamaha-Heimorgel: Hier spielte ich meinem Vater Lieder von Roland Kaiser vor und übte so für spätere Auftritte als Schlager-Star.

Eine Schallplatte mit Ballettsuiten von Tschaikowsky brachte zwei Jahre später die Wende: Leben und Leiden des Russen prägten nun mein Weltbild. Ich hörte Tschaikowsky und ich war Tschaikowsky, denn ich habe mich von Grund auf verstanden gefühlt.

Zuvor beeindruckte mich bereits das Album Scaramucce von Rondò Veneziano. Ein erster Schritt auf dem langen Weg zu Bach.

Mutter hielt im schriftlichen Einverständnis fest, dass ihr Ältester überaus verantwortungsvoll sei, so dass ich regelwidrig jung die Stadtbibliothek Hannover aufsuchen durfte. In kürzester Zeit hörte ich alle Klassik-Schallplatten durch und bewohnte die Partiturabteilung. Dennoch schaffte ich es nie, die Schallplatten rechtzeitig zurückzugeben. Mütter irren sich oft bezüglich der Reife ihrer Söhne. Die Beschaffung von Strafgebühren wuchs aus zum Pubertätstrauma.

Die Büchereidamen trugen damals Bhagwan-Ketten und auch ich suchte viel. Meine Götter waren Tschaikowsky, Prokofiev, Bartok, Mussorgsky, Beethoven, Brahms, Borodin, Ravel und Debussy. Die große Krise: Was ich an Brahms so schätzte, kam bereits bei Beethoven vor. Für Mozart fühlte ich mich zu erwachsen und innerlich zu kaputt. Bach spielte ich in einfachen Bearbeitungen – aber ihn wirklich konzentriert zu hören, das klappte nie.

Ein Studium von Mozarts C-Dur-Konzert Nr. 21 brachte die Erschütterung. Wieso kommt die g-Moll-Phrase nicht mehr in der Reprise vor – oder nur als Schatten? Nun zehrte ich von seinen Klavierkonzerten und fing mit meiner langjähriger Beethoven-Verachtung an. Ludwig war gegenüber Wolfgang zu durchschaubar. Ich hörte wieder Brahms, wenn auch mit Skepsis.

Mozart blieb Leitstern. Haydn kam hinzu. Ich las über Zen. Alles war ganz einfach. Ich übersprang die Pubertät und hatte nie eine Mahler-Phase.

Mit achtzehn erfuhr ich, dass eine Jahrgangsgenossin einen Kurs am Bildungsverein Hannover anbot.

Was die kann, konnte ich schon lange – und so leitete ich bald mein erstes Wochenendseminar: „Einführung in die klassische Musik“.

Seitdem mache ich nichts anderes. So finanzierte ich mir unter anderem mein Musikwissenschaftsstudium in Göttingen und Berlin.

Dort habe ich nichts gelernt, für meine Seminare hingegen alles.

Meine eigentliche Ausbildung wurden die zwei Jahre in der Werbeagentur Scholz & Friends, zu der ich kam, wie die Jungfrau zum Bruckner. Hier musste ich zum ersten Mal in meinem Leben richtig arbeiten.

Die Kunst des Werbens wird von Nichtwerbern nämlich gewaltig unterschätzt.

Verdammt schwer, einfach zu sein. Kontrapunkt ist nichts dagegen.

Der Erfolg kam mit dem Gewinn des Texter-Preises beim ADC-Wettbewerb 2002 (Silberne Nadel) – für meinen zukünftigen Arbeitgeber Festspielhaus Baden-Baden, der dort Kunde wurde. So habe auch ich meinen Lebensabschnittspartner im Job kennengelernt.

Zwischendurch holte ich meine Pubertät nach. Ich machte mir ein T-Shirt mit dem Ausspruch drauf: „Beethoven ist Retro. Haydn ist Gott“. Gut kam auch an: „Gott wird überschätzt“ – mit folgendem Bild darüber. Damit störte ich in Baden-Baden eine Faust-Premiere und hörte Schubert.

Gleichzeitig gab und gebe ich im Festspielhaus Baden-Baden Einführungsvorträge vor beinahe jeder Klassik-Veranstaltung.

Ich halte für das Haus Seminare, schreibe Texte.

Manchmal winkt Bach mir zu.

Mit seinem Segen habe ich diesen Papa-Haydn-Online-Kurs eröffnet, zu dem ich Sie hier alle noch einmal herzlich einlade.

Ihr Dariusz Szymanski