Was sich der Erfinder des Papa-Haydn gedacht hat, welche Stärken und Schwächen das Programm hat, und weshalb wir uns vor Fehlern nicht zu fürchten brauchen.


Die Ausgangslage: Es hat Sie bereits erwischt.

Klassische Musik ist ein Hobby fürs Leben. Wenn man erst angefangen hat, Konzerte, Opernvorstellungen oder gar Festspiele zu besuchen – dann will man immer mehr.

Und bekommt ein paar Probleme.

Weil man keine Noten kennt und einem einst der Musiklehrer zuflüsterte, dass man zwar bemüht, doch leider vollkommen talentfrei wäre. Und singen könne man schon gar nicht. Von den qualvollen Klavierstunden einmal abgesehen.

Außerdem ist Klassik nicht nur schön, sondern auch schön schwer. Manchmal ist sie auch schwer und hässlich – und damit sind hier nicht etwa zeitgenössische Werke gemeint, die viele Zuhörer ratlos zurücklassen. Doch auch ein Richard Wagner erschließt sich einem nicht immer leicht und dass Mozart als einer der größten Komponisten gilt, begreift man nicht, wenn man naiv in eine Mozart-Sonate hineinhört.

Und überhaupt: Was ist schön?

Und wie konzentriert man sich bei klassischer Musik über eine längere Strecke hinweg, ohne dabei einzuschlafen?

Doch muss man sich überhaupt konzentrieren? Kann man sich nicht einfach auch nur fallen lassen?

Man darf ja alles. Doch bleiben Fragen offen und nur wenige können einem da helfen. Der Schulunterricht ist lange her und die Klassik-Szene präsentiert sich abweisend, ja regelrecht arrogant. „Sie finden den Hampeln gut, der da vorne die Arie versemmelt hat? Ach, Ihrer Ansicht nach hat er nichts versemmelt? Ja Menschenskind, haben Sie die grauenhafte Intonation nicht gehört?“ Schon wendet sich Ihr Pausen-Gesprächspartner von Ihnen ab, oder schlimmer: Er wendet sich Ihnen zu und beginnt auf Sie einzureden – macht sich groß, damit Sie sich klein fühlen.

Unerschrockene Musikfreunde greifen zu Büchern, wälzen Lexika, lesen Abendprogramme und studieren Klassik-Führer. Doch wie schon erwähnt: Ohne Klangbeispiele ist das Ganze wie Trockenschwimmen. Zwar erfährt man vielleicht, dass Bruckner eine Melodie im Schlaf einfiel, oder dass diese oder jene Sinfonie hier oder da komponiert wurde, unter manchmal dubiosen, aber oft auch völlig belanglosen Umständen. Doch hilft das einem wirklich beim konkreten Hören? Fehlanzeige. Und wenn mal wirklich über Musik geschrieben wird, fallen Begriffe wie Fallbeile: neapolitanischer Sextakkord, Fuge, Kontrapunkt…

Dazu noch Notenbeispiele oder andere chinesische Schriftzeichen…


Einfach machen!

Das meiste davon braucht auch der gebildete Hörer nicht. Ok, auf kleine Notenbeispiele werde auch ich nicht verzichten wollen – doch sind die stets an konkrete Klangbeispiele gebunden, so dass Sie einfach nur dem Verlauf der Tonhöhen nachfolgen sollten: Steigt die Melodie im Klangbeispiel, dann tun das die kleinen Punkte eben auch. Und umgekehrt. Das werden Sie mit etwas Übung schnell hinkriegen.

Wichtiger ist: Man muss einfach nur hören – und damit kann man immer anfangen. Also hören Sie! 10, 100, 500 Werke – je mehr Musik Sie kennenlernen, desto mehr werden Sie in den Werken entdecken. Das ist so wie mit Sprachen-Lernen – da beginnen Sie ja auch nicht mit Grammatik-Pauken.

Übrigens: Sprachen-Lernen kann man heutzutage bekanntlich auch auf dem Computer – und nach ähnlichen Prinzipien ist auch das Papa-Haydn-Programm aufgebaut. Allerdings ist es deutlich einfacher. Nach kurzer Zeit lernen Sie bereits Ihre erste Sinfonie kennen. Und dann noch eine und noch eine und noch eine…

Bis er immer größer wird: Ihr eigener Musik-Kanon.

Das Papa-Haydn-Programm arbeitet mit konkreten Musikbeispielen. Es lässt Biographisches und Entstehungsgeschichtliches weg, das Sie woanders besser nachlesen können. Stattdessen leistet es sich Urteile – und die am liebsten zugespitzt. Ab und zu wird die Schrift im Text kursiv werden: So wissen Sie, dass diese Information spezieller ist und sich an Fortgeschrittene wendet – und an diejenigen, die sich etwas Zeit beim Lesen lassen und nicht die Geduld mit einem Text (und mir, Ihrem Klassik-Führer) verlieren, wenn sie einen Gedankengang einmal nicht nachvollziehen können oder ein Fremdwort nicht sofort erläutert finden. 


Entwickeln Sie sich Ihren eigenen Klassik-Kanon. 

Das Papa-Haydn-Programm wird Sie mit vielen Werken bekanntmachen. Doch zuerst legt es einmal einen Schwerpunkt fest. Sie beginnen mit Musik des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts: Sinfonien, Sonaten, Konzerte – diese prägen bis heute entscheidend das durchschnittliche Konzertprogramm.

Einer der Gründe für diese Beschränkung ist ganz einfach, hat jedoch einen komplizierten Namen: Sonatenhauptsatzform. Das ist eine Grundform, in der sehr viele Werke zwischen 1780 und 1940 (plus/minus) geschrieben wurden. So beginnen Sie also mit der Sonatenhauptsatzform, gehen direkt über zu Sinfonien, Klavierkonzerten, etc. – und werden bald auch die Musik des Barocks und der Moderne kennenlernen, die anderen Modellen folgt. Sowie Opern, Liederzyklen und, und, und…

Im Papa-Haydn-Programm bildet die Sonatenhauptsatzform somit nur eine erste Stütze. Mit ihrer Hilfe können Sie das selbständige Durchhören der Werke trainieren. Hierbei handelt es sich um so etwas, wie die Steuerung Ihres Autos: Sie erlernen drei, vier Handgriffe, die Sie bald verinnerlicht haben. Dann fahren Sie los und können die Landschaft genießen.

Diese „Landschaft“ wird Ihnen das Papa-Haydn-Programm bevorzugt erschließen, denn sie ist es nämlich, worum sich hier alles dreht: die Musik. Eine, die gelingt, misslingt, verführt oder sich verweigert. Die Sonatenhauptsatzform stellt nur eine Art Landkarte dar, oft sogar eine recht ungenaue – zur ersten Orientierung gerade gut genug.

Das mit der ungenauen Landkarte gilt übrigens für alle musikalischen Formen.



Das Papa-Haydn-Programm: Aufbau und Anwendung

Das Papa-Haydn-Programm besteht aus einem öffentlich zugänglichen Teil und einem Teil für Abonnenten.

Vorläufig bleibt noch alles freigeschaltet.

Das Programm stellt Ihnen in Hauptsache drei Werke pro Woche vor: in erster Linie Sinfonien und Kammermusik, doch es werden auch immer wieder mal Opern und Lieder kommen. Diese Werke wandern anschließend ins Werk-Archiv, das so allmählich gefüllt wird und allen Papa-Haydn-Abonnenten zu Verfügung steht.

Zu den offenen Bereichen gehört etwa die „Klassikakademie“. Hier erarbeiten Sie sich die notwendigen Vorkenntnisse: erfahren etwa, was eine Sinfonie ist, oder wie die schon erwähnte Sonatenhauptsatzform funktionert.

Im Bereich „Was ist schön“ werden ästhetische, aber auch ganz praktische Fragen behandelt, wie die bereits erwähnte: Muss ich mich überhaupt bei klassischer Musik konzentrieren? Denn vielleicht gibt es ja sogar Musik, die das bewusst verhindert.

(Ja, die gibt es!

Und sie ist sogar die Regel.)

Hinzu kommen noch weitere Bereiche, von denen manche selbsterklärend sind. Wagen Sie Entdeckungen!


Sorry

Das Papa-Haydn-Programm arbeitet auf der Basis von Musikbeispielen im Netz – im Moment sind es die Aufnahmen auf YouTube. Das ist suboptimal, nicht nur wegen der Werbung – da werden wir bestimmt einmal bessere Lösungen finden. Auf manchen Handys funktionieren die Klangbeispiele nicht – in diesem Fall ist Ihr Handy falsch eingestellt.

Ebenfalls zu bedenken: Papa-Haydn ist als Lernprogramm konzipiert, benutzt jedoch eine standardisierte Blog-Maske. Da kann es zu Verwirrungen kommen.

Ignorieren Sie etwa die Zeitangaben über den Beiträgen, denn sie sind meistens falsch. Ich trickse mit der Terminierung, um eine sinnvolle Reihenfolge der Beiträge hinzukriegen.

Wegen all dieser Querellen war einer der Namen, die ich dem Programm deshalb geben wollte:

„Klassik – Punk“.

Ich unterließ es jedoch, denn ich sah meine Zielgruppen schwinden.



Hören Sie viel – und live.  

In Folge kaufen Sie sich bestimmt auch CDs (hier werde ich in Abständen Tipps geben) oder nehmen Streaming-Dienste in Anspruch.

Das Wichtigste bleibt jedoch:

Hören Sie live. Soviel wie möglich!

Kaufen Sie sich ein Konzertabonnement Ihrer Heimatstadt, fahren Sie in die Oper, besuchen Sie Kirchenkonzerte.


Suchen Sie sich Klassik-Partner!

Sie können das Papa-Haydn-Programm alleine nutzen. Noch mehr Spaß bringt es jedoch, sich mit jemandem zusammen zu tun, und dann gemeinsam die besprochenen Werke zu hören. Suchen Sie sich einen Klassik-Partner, laden Sie ein zum Klassik-Salon, kochen und hören Sie gemeinsam, finden Sie Menschen mit denen Sie das Erlebte teilen können.

Bilden Sie Konzert-Fahrgemeinschaften!



Fakten, Wahrheiten, Legenden.

Sie merken schon: Das hier ist ein sehr persönliches Projekt, was Chancen eröffnet, jedoch auch Grenzen zieht.

Deshalb wird bei Papa-Haydn ganz entspannt zwischen Wahrheit und Exaktheit unterschieden.

Wahrheiten gibt es wie Sand am Meer. Die Exaktheit hingegen ist ein eifersüchtiger Tyrann.

Fakten werden schnell von neuen Fakten verdrängt. Widersprüchliche Wahrheiten können hingegen gut nebeneinander bestehen.

Die menschliche Seele ist ein träges offenes System. Sie wird von der Kunst vermessen und nährt sich von Bildern und Geschichten.

Legenden, schöne zumal, werden bei Papa-Haydn deshalb liebevoll gepflegt. Selbst Tollkühnheiten gehen in den poetischen Branchen als Spezialtalente durch. Sie sind bildhaft, eröffnen Zugänge und helfen Fantasie und Gedächtnis auf die Sprünge.

Wir feiern hier Wunder der Kunst und verantworten nicht Wundheilungen nach Operationen. Weil ich Ihnen etwas beibringen will, werde ich nicht das Wahre, Gute, Schöne vorschicken. Diese großen Drei bilden eine Mauer, hinter der sich noch ganz Anderes versteckt. Sie kommen in den deutschen Künsten so erhaben daher (bilden eine so hohe Mauer), dass viele Angst haben, zu diesen Themen etwas dummes zu sagen und lieber a) schweigen, b) wolkig bleiben, oder c) in Fachbegriffe flüchten.

Ich bevorzuge die klare, zugespitzte, halbseiden persönliche Sprache. Denn nur so finde ich es ehrlich und redlich in der Kunst, die eher eine Daseinsweise als eine exakte Wissenschaft ist und sich auf Leidenschaft, Übung und Erfahrung stützt. Nach kurzer Zeit werden Sie sich auf Ihre eigene Art mit ihr verbinden – und dann einige meiner Wahrheiten wieder in den Wind schlagen.

Das alles sollten Sie zu schätzen wissen (soviel zum: Für wen das Programm nicht geeignet ist).

Ein Letztes noch: Auch diese Texte ändern sich mit der Zeit – schon weil ich mich ändere. Sie werden ergänzt, abgeschwächt oder zugespitzt. Das Papa-Haydn-Programm darf wuchern. Hauptsache es bewegt auch Sie, hilft Ihnen beim Hören und bleibt spannend.


Doch nun, auch im Namen Thomas Braunagels: Machen Sie sich auf in die weite Welt der klassischen Musik!

Und schenken Sie uns Ihr Vertrauen.

Ihre

Dariusz Szymanski und Thomas Braunagel