Wie eine schöne Göttin klagt diese Melodie und ruht dennoch in sich selbst.


Das Geheimnis dieser Melodie? Sie ist zu gleichen Teilen leidend, erotisch, vornehm und diskret. Der Hallenser Komponist zeigte beinahe als erster, wie sehr eine Melodie Ausdrucksträger sein kann. Denn im Barock war die Musik eher Rede als Gesang. Auch diese a-Moll Melodie hat noch etwas von einem Monolog, der immer wieder stockt, immer vom neuen Anlauf nimmt. Schon der erste Einsatz – dramatisch, auf einer hohen Note beginnend: ein „Ach…!“. Und überall diese 2-Ton-Seufzer, die die Mitte halten zwischen Leidensgesten und solchen erotischer Natur. Denn es kann sehr erotisch sein, einem schönen Menschen dabei zuzusehen, wie er sein Leiden vor aller Welt ausstellt.