Beim „falschen Zwilling“ begegnen Sie gleich zwei Melodien der Woche. Heute aus Hans Pfitzners „Violinkonzert in h-Moll“ von 1923 und aus Leoš Janáčeks „Sinfonietta“ von 1926.


Die Musik des Expressionismus liebt grelle Farben – als würde man sich in einem Fiebertraum befinden.

Erwarten Sie also nichts zu Hübsches, dafür aber Kühnheiten:

Bei Pfitzner herrlich inspirierter Gesang , der sich nach oben, nach unten und in die Fläche ausbreitet, gegen ein verzehrtes Volkslied bei Janáček, letzteres von der Piccoloflöte wie von einem bösen Vogel begleitet.

Bei beiden: Wilde Erdbeben in den Bässen, Melodie in eisigen Höhen. „Spaltklang“ nennt sich solche Spreizung. Großartige Musik. Hitze und Kälte zugleich. Doch während die Sinfonietta recht bekannt ist, wurde das spröde, jedoch nicht minder fantastische Violinkonzert Pfitzners (lassen Sie sich von dessen Beginn nicht abschrecken!) beinahe vergessen.