Von Mozarts Moll-Konzerten bis zu Strauss´ letzten Liedern: über 150 Jahre Romantik? Das ist zu viel. Für das konkrete Musikhören lohnt es sich einen Schnitt zu machen, so um 1840/50.


Wesentliche Momente der Romantik vor 1850 sind: Diskretion, Indirektes, Geheimnisse, Andeutungen, Intimitäten des Salons. Also gerade keine öffentliche Gefühlsergüsse und Komponisten, die Herzen auf Zungen tragen – die folgen später. Die Künstler vor 1850 schrieben an Freunde, Gleichgesinnte, Geliebte. Das große dumme Publikum verachteten und benutzten sie.

Romantisch ist, was mit einem Zauber belegt wurde.

Romantisch ist die Wiederkehr der Ikone.

Ein Blatt mit einem Tauftropfen drauf. Derjenige, der es wahrnimmt, der wahrnimmt, wie Tau und Sonnenstrahl sich treffen und der Sonnenstrahl Blatt und Tau in etwas anderes verwandelt, in etwas, das einen Sinn aufblitzen lässt oder über einen Unsinn tröstet für Sekunden – wer das alles wahrnimmt, der ist ein Romantiker. Er sieht es und zeigt es dem Freund, der es vielleicht, hoffentlich, bitte lass es geschehen Herr, ebenfalls sieht. Oder es nicht sieht („da ist nichts“) – dieser Freund, der den verzauberten Visionsempfänger von sich stößt und seine Antennen auf ein Ziel richtet; der zum Weitergehen drängt, weil der Weg noch weit und steinig und was-auch-immer ist und man doch ankommen sollte vor Anbruch der Nacht; der ein Freund ist, oder der der Eigentliche ist, und das romantische Ich ist nur sein Schatten.

Romantisch ist nicht die Melodie, die alle mitsingen können. Sondern die Erinnerung an eine Melodie, die man früher einmal mit anderen sang.